Ich bin im eisigen November 1970 in St.Petersburg geboren. Für meine Mutter ihr wohl schmerzhaftestes Erlebnis, da ich mit den Füßen zuerst herauskam. Bereits mit 4 Wochen hatte ich meine erste Lungenentzündung. Meine dritte dann mit 1 Jahr, mein Vater liebte es, mit mir im Kinderwagen bei Minus 25 °C durch die tiefverschneiten Parks von St.Petersburg zu laufen, die Luft war extrem trocken, was meiner sensiblen Kinderlunge nicht gut tat. Im Petersburger Krankenhaus lag ich dann 6 Wochen auf der Isolierstation, wo mich keiner berühren durfte, meine Eltern sahen mich durch eine Glasscheibe. Irgendwann war ich so abgemagert, daß die Ärzte mich aufgaben. Auf eigene Verantwortung hin nahm mein Vater mich dann aus dem Krankenhaus und flog mit mir in derselben Nacht noch in seine Heimatstadt nach Leipzig, wo ich recht schnell wieder zu Kräften kam. Meine Mutter kam erst mehrere Monate später nach, da sie als Russin noch kein Visum hatte. Meine Eltern heirateten übrigens 1969 in St.Petersburg, meine Mutter wollte nie einen Ausländer heiraten, doch mein Vater war so hartnäckig, daß sie nach einem Jahr Eroberungsversuchen nachgab. Von nun an wuchs ich in zwei Welten auf. Die Sommer- und Winterferien verbrachte ich bei meinen russischen Verwandten in St.Petersburg. Babuschka (Oma) war der Mittelpunkt des Geschehens, wo sich alle am Tisch versammelten, es wurde viel gelacht und bis tief in die Nacht geredet. Ich liebte es, im Winter Ski- und Schlittschuh zu laufen und im Sommer fuhren wir mit der Elektritschka (S-Bahn) an den Finnischen Meerbusen nach Solnitschnoje (Sonnenland) zum Baden, wo es eine tolle Festung gab mit kleinen Inseln und einem Floß. Außerdem verbrachten wir 3 Wochen der Ferien in einer kleinen Holzhütte an einem See einige hundert Kilometer von Petersburg entfernt, mitten im Wald, wo wir nichts mitnahmen, außer Kartoffeln. Alles andere gab die Natur her. Morgens 5 Uhr zum fischen, dann in die Pilze und Heidelbeeren pflücken für den Nachtisch. Diese Erlebnisse prägten meine Liebe zur Natur, zu den Tieren und zum Wasser. Als ich 10 war, durfte ich das erste mal mit zu den Weißen Nächten. Diese Zeit beginnt in St.Petersburg am 25.Mai. Die Nächte bleiben hell und am Fluß, der Newa, der durch Petersburg fließt, sind wir stundenlang langgelaufen oder wir sind auf die Dächer von den Häusern geklettert und haben Petersburg von oben aus betrachtet. 1 Uhr Nachts gingen dann die Brücken nach oben und man kam erst 4 Uhr wieder rüber. Man mußte sich also rechtzeitig entscheiden, auf welcher Seite man sein wollte. Nach den nächtlichen Touren kehrten wir oft bei meiner Freundin Paulina ein, die heute am Theater spielt, sie konnte bereits mit 14 super kochen und sie und ihre gesamte Familie waren sehr gastfreundlich und bewirteten uns, wann immer wir kamen mit einer Herzlichkeit, die zu den größten Eindrücken in meinem Leben zählen und große Spuren in meinem Herzen hinterlassen haben. Ganz zum Kontrast zu Deutschland. Jedes Volk hat seine Liebenswürdigkeiten. Doch womit ich nie so richtig warm werden konnte, war die Pingligkeit, Genauigkeit und Ordnungsliebe der Deutschen. Pünktlich nach dem Sandmännchen mußte ich ins Bett, mit 14 dann um 20 Uhr. Mein Vater hatte so einige Regeln und meine russische Seele in mir schrie nach Freiheit. Als ich 9 war, kauften meine Eltern ein Einfamilienhaus in Lindenthal bei Leipzig, mit dem Einzug bekam ich auch meine Hündin Asta. Ich fuhr kurz vorher mit meinem Vater zum Tierheim, weil dort Cockerspaniel Welpen zu verkaufen waren. Doch vorher sah ich mir noch die anderen Hunde an. Da lag in einem Käfig ein weißer Mischlingshund mit einem brauen Ohr, er lag da so auf dem Rücken und winselte mich an und meine braunen Augen und seine braunen Augen trafen sich und es war Liebe auf den ersten Blick. Ich wollte nur noch diesen Hund, auch wenn er schon 2 Jahre alt war. Von da an waren Asta und ich unzertrennlich.
Fortsetzung folgt…….